
Februar 2010
Denn der Arme wird nicht aus dem Land verschwinden. Darum befehle ich dir: Deinen Bruder, deinem Elenden und deinem Armen in deinem Land sollst du deine Hand weit öffnen.
5. Mose 15, 11 (Elberfelder Übersetzung, 2003)
Dieser Vers ist ein Teil von Moses geistlichen und gesellschaftlichen Verordnungen für das israelitische Volk und bildet den Schluss der Regelung zum Erlassjahr.
In den vorangehenden Versen fordert Mose die Israeliten dazu auf, bestehende Schulden anderer Israeliten im Erlassjahr zu streichen. Dies hat zur Folge, dass Israeliten, die in Not geraten und Schulden auf sich nehmen müssen, nicht bis an ihr Lebensende an ihren Gläubiger gebunden sind, sondern im Erlassjahr von ihren Schulden frei gesprochen werden. Sie können gewissermaßen einen Neuanfang wagen.
Leider muss Mose den Gläubigern auch ins Gewissen sprechen. Er fordert sie auf bereitwillig zu leihen, auch wenn das Erlassjahr, das alle sieben Jahre begangen wird, unmittelbar bevorsteht. Auch wenn der Gläubiger nicht zu erwarten hat, das geliehene Gut bis zum Erlassjahr wieder zu erhalten, so soll er dennoch willig ausleihen. Mose weist auf den Segen Gottes hin. Wer seine Hände weit für Notleidende öffnet, darf mit Gottes reichen Segen rechnen. Wer nicht gibt, erhält nicht nur Gottes Segen nicht, er begeht auch eine Sünde.
Nun stellt sich uns die Frage, welche Relevanz diese Verordnung für uns heute hat. Müssen wir auch heute noch unserem Nächsten leihen was er dringend benötigt?
Wir leben in einem geordneten Rechtsstaat. Jeder zahlt Steuern und zahlt damit in einen großen Gemeinschafttopf, woraus Berechtige ihren Teil bekommen. Wir haben Versicherungen, die uns vor alles Erdenkbare schützen sollen. Wir haben Banken, die uns Geld für Zeiträume zur Verfügung stellen.
Ist diese Verordnung für uns überhaupt noch aktuell?
Ich denke nicht, dass unsere Rechtsordnung, unsere Steuern und dergleichen uns aus der Verantwortung gegenüber unserem Bruder oder Nächsten ziehen.
Es geht gar nicht so sehr um das Leihen. Das Leihen ohne Erwartung des Wiedererhaltens ist ganz fest mit dem Geben verbunden.
Was Mose uns heute sagen will, ist dass Gott derjenige ist, der uns zuerst bedingungslos gibt. Es ist Gott wichtig, dass wir gerne geben, mit weit geöffneten Händen. Nicht mit einem verhärteten Herzen sondern eins, das nicht abwägt ob es sich für den Geber auch wirklich lohnt und ob es auch genug Profit abwirft. Es ist viel mehr eine Frage des Vertrauens auf Gott. Vertrauen wir darauf, dass Gott uns versorgt auch wenn wir geben was wir eigentlich selber brauchen? Wie zu Moses Zeiten möchte Gott auch heute noch den Geber segnen. Segen kann auch bedeuten, dass Gott uns aus seinem Überfluss gibt was wir dringend benötigen und auch weit darüber hinaus. In aller Hinsicht.
Für uns stellt sich heute die Frage wie sehr wir auf Gott vertrauen. Sind wir bereit von unserm Überfluss abzugeben und manchmal Einbußen hinzunehmen? Ist es uns Gottes Segen wert und die Freude jemand anderem geholfen zu haben?
Viktor F.