
Juni 2010
Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben.
Amos 5,4
Das Buch Amos ist die älteste Sammlung von Worten, die unter dem Namen eines Propheten zusammengestellt wurde. Amos selber zählt sich freilich nicht zu denen, die zu seiner Zeit als Seher und Propheten bezeichnet wurden. Er war von Beruf Schafzüchter und zog Maulbeerfeigen. Nach seinem Selbstzeugnis griff der Herr nach ihm und riss ihn aus seinem Lebenskreis heraus, um ihn aus Tekoa in Juda, wo er zu Hause war, ins Nordreich Israel zu senden, um dort das Wort des Herrn zu verkünden. Wahrscheinlich dauerte die Zeit seines öffentlichen Auftretens nicht länger als ein Jahr und erfolgte um 760 v. Chr.
Das Wort, das uns als Monatsspruch für Juni gegeben ist, fordert uns auf etwas zu tun und gibt uns auch gleichzeitig eine große Verheißung mit. Sicher suchen wir oft etwas ganz bestimmtes: Einen Punkt mit dem Fernglas, ein Programm im Fernsehen. Ob wir das finden was wir suchen hängt dabei wesentlich von unserer Optik ab. Wer Sterne beobachten will, sollte nicht das Mikroskop benutzen, und wer kleinste Samenkörner betrachten will, sollte kein Fernglas benutzen. Es kommt eben auf die Optik an.
Im Buddhismus suchen sie die innere Mitte, im Islam straffe Regeln und im Christentum versöhnliche Töne. Aber so geht das nicht, das ist die falsche Optik. Gott sagt: „Sucht mich, so werdet ihr leben“. Nicht umgekehrt: „Sucht das Leben, so werdet ihr mich finden“.
Wer Gott sucht, nach seinen Absichten und seiner Zukunft fragt, der lebt. Und wer das nicht tut, lebt nicht, lebt am Leben vorbei, lebt vergeblich. Wer richtig sucht, wird überall auf der Welt und in seinem Leben die Spuren Gottes entdecken. Es kommt nur auf die Optik an.
Jürgen B.