Wort zum Sonntag
am Samstag, 04.April 2009



Widerstand leisten

Heute vor 41 Jahren wurde Martin Luther King auf dem Balkon eines Motels in Memphis erschossen. King war ein großer Verfechter des gewaltfreien Widerstands und machte zusammen mit den 42.000 Schwarzen in Montgomery eine bahnbrechende Erfahrung. Bis Ende 1955 sahen sich die farbigen Bürger des Bundesstaates Alabama den Repressionen und Belästigungen vieler Weißer hilflos ausgeliefert. So mussten sie zum Beispiel nach dem Bezahlen des Bustickets beim Fahrer den Bus wieder verlassen und durch die Hintertür wieder einsteigen, um ihre zugewiesenen Plätze im Heck des Busses einzunehmen. Nicht selten fuhr der Bus aber in der Zwischenzeit ohne sie los. Über einen Zeitraum von 381 Tagen leisteten Tausende zivilen Ungehorsam indem sie die Busse boykottierten. So erreichten sie, dass der Oberste Gerichtshof nach über einem Jahr die Segregationspraxis in den Bussen als verfassungswidrig erklärte. Dieser Erfolg war ein wichtiger Meilenstein für die Bürgerrechtsbewegung, weil er den Beweis lieferte, dass Unrecht nicht nur still erduldet oder mit Gegengewalt beantwortet werden kann, sondern auch mit gewaltfreiem Widerstand. Dieser Widerstand ist aber kein Spaziergang, sondern er muss geleistet werden. Wer gewaltfrei gegen Mächtige antritt, der muss sich anstrengen. Es ist eine Leistung, erfahrenes Unrecht nicht mit Hass zu beantworten und somit das Karussell der eskalierenden Gewalt weiter anzutreiben. Aber diese Leistung, so wusste auch ML King, ist nicht aus eigener Kraft zu erbringen. Deshalb stand für ihn im Mittelpunkt der Lehre vom gewaltlosen Widerstand das Gebot der Liebe.
Mit großen Schritten gehen wir dem Osterfest entgegen, dem Fest, in dessen Zentrum die Liebe Gottes über den Tod siegt. Am morgigen Palmsonntag denken Christen an den Einzug von Jesus Christus in Jerusalem. Er wurde als König begrüßt und ritt doch symbolträchtig auf einem Esel. Gewaltfrei leistet er Widerstand gegen den ihm entgegenschlagenden Hass, der sich schließlich in der Kreuzigung entlädt. Hier hat Gott (sich) etwas geleistet, was ihn viel gekostet hat. Seine Liebe und seine Kraft können uns heute helfen, die Gewaltspiralen unseres Alltags zu durchbrechen.


Pastor Lutz Heidebrecht
Mennonitengemeinde Backnang
Mennostr. 6
D-71522 Backnang
fon 07191-731095
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