Wort zum Sonntag
am Samstag, 17. März 2012


Flurputzete

Am heutigen Samstag findet in der Stadt Backnang die jährliche Flurputzete statt. Das ist eine großartige Einrichtung und ich hoffe, dass sich wieder viele Freiwillige daran beteiligen. Das ganze Jahr über sind Mitarbeiter der Stadt im Einsatz, um unseren Lebensraum einigermaßen sauber zu halten. Vor einiger Zeit fiel mir ein besonders zugemüllter Ort auf, den ich dem Bauhof telefonisch gemeldet habe und in kürzester Zeit wurde dort gründlich aufgeräumt - herzlichen Dank dafür! Manche Flecken in Feld und Flur scheinen besonders anfällig für die willkürliche Müllentsorgung zu sein. Ganz im Gegenteil zum schwäbischen Hausflur, der sich in der Regel großer Sauberkeit erfreut. Wenn ich ehrlich bin, sieht es in meinem Leben ganz ähnlich aus. Da gibt es Orte bzw. Bereiche, die werden regelmäßig gepflegt, aufgehübscht und zur Repräsentation freigegeben. Das kann mein aufgeräumtes Wohnzimmer sein oder mein rasiertes Gesicht. Und dann gibt es Bereiche, die nicht so eine gründliche Pflege genießen. Immer wieder denke ich "man sollte mal" oder "ich müsste wieder“. Aber diese Bereiche lassen sich nicht mit dem Staubsauger ordnen.

Eine Rückbesinnung auf meine eigentlichen Werte, eine Aufarbeitung meiner ungeklärten Beziehungen und der aufgestaute Frust werden mich wesentlich mehr Energie kosten, als eine Rasur. Wenn es doch so einfach wäre wie beim städtischen Bauhof: ein Anruf genügt und jemand kümmert sich darum. Dabei ist diese persönliche Flurputzete so befreiend, dass ich sie nicht aufschieben sollte. Aber ich kann mich nicht aufraffen, denn ich bin mit meinen Problemen scheinbar allein. Während ich diese Zeilen schreibe, fällt mir ein Anruf ein, den David, der König des alten Israels einmal getätigt hat. David rief (bei) Gott an mit der Bitte: Erforsche mich Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne wie ich's meine. Und sie, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. (Psalm 139,23 + 24). Das ist persönliche Flurputzete mit himmlischer Unterstützung. Ich bin gar nicht allein wenn es darum geht, mein Leben zu ordnen und von Müll zu befreien. Gott bietet mir und jedem Menschen in Jesus Christus seine Hilfe an. Dann ist heute ein guter Tag für so eine Flurputzete!



Pastor Lutz Heidebrecht
Mennonitengemeinde Backnang
Mennostr. 6
D-71522 Backnang
fon 07191-731095
fax 07191-731096
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Wort zum Sonntag
am Samstag, 15. Januar 2011

Hilft Gebet?
In diesen Tagen treffen sich in vielen Ländern Menschen zum gemeinsamen Gebet. Auch in Backnang findet eine Gebetswoche der Evangelischen Allianz statt – morgen um 15.00 Uhr ist ihr Abschluss in der Stiftskirche.
Wir haben nicht genug gebetet“ höre ich immer wieder in christlichen Kreisen. Meistens geht es dann um die ausbleibende Erfüllung unserer Wünsche. Hilft Gebet oder hilft es nicht? Müssen wir, um bei Gott zu unserem Ziel zu kommen, viel und lange und oft beten?
Zu dieser Frage erzählte Jesus Christus die Geschichte einer Frau, der Unrecht getan wurde (Lukas 18,1-8). Der Richter ihrer Stadt, von dem sie sich Hilfe erhofft, ist korrupt und möchte sich nicht für ihr Recht einsetzen. So kommt sie immer und immer wieder und trägt ihm penetrant ihr Anliegen vor. Den Richter nervt das mit der Zeit. Weil er sogar fürchtet, dass die Frau am Ende handgreiflich werden könnte, kümmert er

sich schließlich doch um ihren Fall und verschafft ihr Recht, nur um sie los zu werden.
Jesus selber deutet die Beispielgeschichte, indem er sagt, dass Gott eben nicht so ist wie der selbstherrliche Richter. Gott ist anders, ganz anders. Wenn das stimmt, und ich bin davon überzeugt, dann stelle ich mir die Frage, ob ich mich trotzdem so verhalten muss wie die Frau in dem Beispiel? Wenn diese Geschichte uns etwas über das zuversichtliche Gebet sagen soll, dann doch wohl dies: Gott ist nicht wie dieser Richter, darum brauchen auch wir nicht so sein wie diese Frau.
Hilft Gebet? Mir ja, denn ich lerne aus dieser Geschichte, dass Gott mich gerne anhört, mich wirklich versteht, sich meine Sorgen zu Herzen nimmt und sich tatsächlich um meine Anliegen kümmert. Ich muss ihn also nicht durch viele oder lange Gebete beknien. Im Kopf weiß ich das jetzt, aber ich möchte mich noch darin üben, Gott alle meine Sorgen zu sagen und mich dann fröhlich und zuversichtlich meinem Alltag zuzuwenden.


Pastor Lutz Heidebrecht
Mennonitengemeinde Backnang
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Wort zum Sonntag
am Samstag, 04.April 2009

Widerstand leisten
Heute vor 41 Jahren wurde Martin Luther King auf dem Balkon eines Motels in Memphis erschossen. King war ein großer Verfechter des gewaltfreien Widerstands und machte zusammen mit den 42.000 Schwarzen in Montgomery eine bahnbrechende Erfahrung. Bis Ende 1955 sahen sich die farbigen Bürger des Bundesstaates Alabama den Repressionen und Belästigungen vieler Weißer hilflos ausgeliefert. So mussten sie zum Beispiel nach dem Bezahlen des Bustickets beim Fahrer den Bus wieder verlassen und durch die Hintertür wieder einsteigen, um ihre zugewiesenen Plätze im Heck des Busses einzunehmen. Nicht selten fuhr der Bus aber in der Zwischenzeit ohne sie los. Über einen Zeitraum von 381 Tagen leisteten Tausende zivilen Ungehorsam indem sie die Busse boykottierten. So erreichten sie, dass der Oberste Gerichtshof nach über einem Jahr die Segregationspraxis in den Bussen als verfassungswidrig erklärte. Dieser Erfolg war ein wichtiger Meilenstein für die Bürgerrechtsbewegung, weil er den Beweis lieferte, dass Unrecht nicht nur still erduldet oder mit Gegengewalt beantwortet werden kann, sondern auch mit gewaltfreiem Widerstand.

Dieser Widerstand ist aber kein Spaziergang, sondern er muss geleistet werden. Wer gewaltfrei gegen Mächtige antritt, der muss sich anstrengen. Es ist eine Leistung, erfahrenes Unrecht nicht mit Hass zu beantworten und somit das Karussell der eskalierenden Gewalt weiter anzutreiben. Aber diese Leistung, so wusste auch ML King, ist nicht aus eigener Kraft zu erbringen. Deshalb stand für ihn im Mittelpunkt der Lehre vom gewaltlosen Widerstand das Gebot der Liebe.
Mit großen Schritten gehen wir dem Osterfest entgegen, dem Fest, in dessen Zentrum die Liebe Gottes über den Tod siegt. Am morgigen Palmsonntag denken Christen an den Einzug von Jesus Christus in Jerusalem. Er wurde als König begrüßt und ritt doch symbolträchtig auf einem Esel. Gewaltfrei leistet er Widerstand gegen den ihm entgegenschlagenden Hass, der sich schließlich in der Kreuzigung entlädt. Hier hat Gott (sich) etwas geleistet, was ihn viel gekostet hat. Seine Liebe und seine Kraft können uns heute helfen, die Gewaltspiralen unseres Alltags zu durchbrechen.


Pastor Lutz Heidebrecht
Mennonitengemeinde Backnang
Mennostr. 6
D-71522 Backnang
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